Berlin hat mehr Wasserfläche als jede andere deutsche Großstadt: Havel, Spree, Dahme, dazu Wannsee, Tegeler See, Müggelsee und ein Netz aus Kanälen, das die Gewässer miteinander verbindet. Diese Gewässer nutzen auch zahlreiche Ruderer, unsere Übersicht Ruderverein Berlin stellt die besten Vereine vor.
Für Stand Up Paddling ist das eine seltene Ausgangslage. Fast überall gibt es stehendes oder kaum strömendes Wasser, viele Einstiege sind kostenlos, und die interessanten Strecken liegen im Stadtgebiet statt zwei Autostunden entfernt.
Unten stehen sechs Touren mit Länge, Dauer und nötiger Erfahrung, dazu fünf Stationen mit Verleih und Kursen und die Regeln, die auf der Spree wirklich gelten.
- Braucht man in Berlin eine Erlaubnis?
- Nein, aber die Spree im Regierungsviertel darf nur eingeschränkt befahren werden.
- Wo steigt man am einfachsten ein?
- Am Schlachtensee und am Tegeler See, beide ohne Berufsschifffahrt und mit öffentlichen Badestellen.
- Wann ist die beste Zeit?
- Mai bis September, früh morgens ist es auf allen Gewässern am ruhigsten.
- Was gehört immer mit?
- Leash, Schwimmweste oder Auftriebshilfe und ein Drybag fürs Handy.
Sechs SUP Touren in Berlin
Tour 1: Pfaueninsel nach Potsdam und zurück
Die Tagestour führt von der Pfaueninsel über den Großen und den Kleinen Wannsee bis nach Potsdam. Der Einstieg liegt an der kleinen Badestelle links neben dem Fähranleger.
Von dort geht es nach Norden auf den Großen Wannsee, vorbei an der Halbinsel Schwanenwerder mit ihren Villen und am Strandbad Wannsee. Wer sich rechts hält, paddelt am Ufer entlang an den Yachthäfen vorbei auf die Brücke zu, die den Großen mit dem Kleinen Wannsee verbindet.
Entlang des rechten Ufers führen enge Passagen über Pohlsee und Stölpchensee nach Potsdam. Der Griebnitzsee bildet die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg, zugleich die ehemalige innerdeutsche Grenze.
Durch den Kanal zwischen Klein Glienicke und Babelsberg erreichen Sie den Schlosspark Babelsberg, der sich gut für eine Rast eignet. Zurück geht es nach Norden über die weite Havelfläche zur Pfaueninsel, unterwegs liegt die Heilandskirche in Sacrow am Ufer.
Tour 2: Oranienburg über Havel und Malzer Kanal
Oranienburg liegt rund 35 Kilometer nördlich von Berlin zwischen Havel und Malzer Kanal. Das Wasser hat eine leichte Strömung und wenig Wellengang, technisch ist die Strecke damit auch für sichere Anfänger machbar.
Die 26 Kilometer sind allerdings kein Anfängerpensum. Wer noch nie eine lange Strecke gepaddelt ist, unterschätzt regelmäßig, wie sehr die Schultern nach drei Stunden nachlassen.
Der Einstieg liegt hinter dem Schlosspark. Über den Kanal geht es in die Havel und nach Norden über den Lehnitzsee an Oranienburg vorbei bis zur Lehnitzer Schleuse, an der das Board umgetragen wird.
Danach führt die Strecke bis zum Berlin-Stettin-Denkmal, wo Sie links in den Malzer Kanal abbiegen. Die leichte Strömung im Rücken spart Kraft. Umgetragen wird noch einmal an den Schleusen Malz und Sachsenhausen.
Tour 3: Seenrunde Zeuthener See, Krossinsee, Seddinsee
Diese Rundtour verbindet mehrere Seen und Kanäle im Berliner Südosten. Start ist die Badestelle Eichwalde am Zeuthener See.
Am Ufer entlang geht es zur kleinen Insel Zeuthener Wall. Nach einigen Kilometern verengt sich der See, links haltend erreichen Sie hinter der Halbinsel den See Großer Zug.
Dem folgen Sie auf beliebiger Uferseite und kommen nach zwei Kilometern in den Krossinsee. Rechts haltend verengt sich der See am Campingplatz, wenige Meter weiter beginnt der Oder-Spree-Kanal. Links ab geht es zum Seddinsee.
Bis zu den ersten Häusern folgen Sie dem rechten Ufer, halten sich dann links, paddeln zwischen den beiden Inseln hindurch und erreichen die Badestelle am Seddinsee. Zurück zum Ausgangspunkt geht es auf Schmöckwitz zu und unter der Brücke hindurch.
Tour 4: Sightseeing zu Kanzleramt, Bellevue und Siegessäule
Die Sightseeing-Runde auf der Spree ist der Geheimtipp unter den Berliner Touren, und zugleich die anspruchsvollste. Auf der Spree herrscht Motorbootverkehr, und bei Wind wird das Wasser zwischen den Uferkanten unruhig.
Eingesetzt wird an der Lessingbrücke in der Nähe des Bundesratufers, von dort geht es nach Osten vorbei am Schloss Bellevue und am Haus der Kulturen der Welt.
Zwei Regeln aus der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung sind dabei wichtig. Erstens darf die Spree mit einem SUP nur bis zum Kanzleramtssteg befahren werden, dort ist umzudrehen. Zweitens ist der Abschnitt zwischen Lessingbrücke und Schleuse Mühlendamm zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober täglich von 10 bis 19 Uhr für Sportgeräte gesperrt.
Praktisch heißt das: Diese Tour ist im Sommer eine Sache für den frühen Morgen oder den späten Abend. Prüfen Sie die aktuelle Regelung vor der Fahrt, die Zeiten werden gelegentlich angepasst.
Tour 5: Tegeler See
Der Einstieg ist kostenlos: Etwa 150 Meter links am Restaurant Fährhaus vorbei liegt ein kleiner Badeplatz. Von dort geht es ein kurzes Stück nach rechts über die Havel in den Tegeler See.
Der See ist voller kleiner Inseln, dazu Strandbäder und Bootsverkehr. Genau diese Mischung macht ihn im Sommer lebendig und für Anfänger unübersichtlich.
Wegen der Windverhältnisse und des übrigen Verkehrs auf dem Wasser gehört diese Runde in erfahrene Hände. Wer Richtung Lindwerder paddelt, hat es durch die Uferform mit wechselnden Böen zu tun, und die ziehen einen schneller vom Board, als man denkt. Wer sich an der Uferlinie orientiert, ist in gut anderthalb Stunden zurück, bei Wind entsprechend später.
Tour 6: Umrundung der Insel Lindwerder
Im Berliner Westen steigen Sie an der Bushaltestelle Zur Haveldüne aus und laufen durch das Wohngebiet zur Marina Lanke. Am Yachthafen lässt sich das Board zu Wasser bringen.
Von dort geht es nach Süden vorbei an Villen, Promenaden und Badeplätzen. Bald taucht die Insel Lindwerder auf, auf der ein Restaurant für eine Pause sorgt.
Auf dem Rückweg sind der Grunewaldturm und die alte Radarstation auf dem Teufelsberg zu sehen, bevor die Runde wieder an der Marina Lanke endet.
Fünf SUP Stationen in Berlin
Stand Up Club Berlin
Der Stand Up Club liegt zentral auf dem Gelände des Badeschiffs in der Arena Berlin. Vom Beach-Areal neben dem Pool geht es über den Steg direkt in die Spree.
Angeboten werden Verleih auf eigene Faust sowie Kurse und Touren zu festen Zeiten, in denen auch die Regeln auf den Berliner Wasserstraßen erklärt werden. Dazu kommen Kurse für SUP Yoga und SUP Fitness. Geöffnet ist montags bis freitags von 12 bis 20 Uhr, samstags und sonntags ab 10 Uhr. Ausrüstung lässt sich vor Ort leihen. Mehr unter standupclub.de.
SUP am Schlachtensee
Vom Zentrum aus in gut 20 Minuten mit der S-Bahn erreichbar, und auf dem Wasser ohne Schiffsverkehr: Der Schlachtensee ist der entspannteste Einstieg in der Stadt. Boards lassen sich vorab online buchen.
Neben dem Verleih gibt es Touren, Kurse, Einzelcoachings und SUP Fitness, dazu Dauerkarten und Gruppenbuchungen. Geöffnet ist von März bis Ende September. Mehr unter steh-paddler.com.
Spreeboard in Neu Zittau
Der SUP- und Kanuverleih Spreeboard liegt vor den Toren Berlins in Neu Zittau, mitten im Naturschutzgebiet Alte Spree. Von hier starten geführte Ganztagestouren von Hangelsberg nach Neu Zittau.
Rund 23 Kilometer geht es spreeabwärts durch das Schutzgebiet. Die Strömung ist schwach genug, dass geübte Paddler auch stromaufwärts vorankommen. Geöffnet ist freitags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 19 Uhr. Mehr unter spreeboard.de.
WhatSUP Berlin
WhatSUP Berlin verbindet Laden, Onlineshop, Verleih und Kurse. Verliehen werden ausschließlich Markenboards, stundenweise bis wochenweise, allerdings nur an Volljährige gegen Hinterlegung eines gültigen Personalausweises.
Die Kurse gliedern sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil, vom ersten Stehversuch bis zur Technikverbesserung. Dazu kommen SUP Yoga und Personal Coaching. Wer beim Kauf unsicher ist, kann die Beratung nutzen. Mehr unter whatsupberlin.de.
SUP Center Berlin
Das SUP Center Berlin hält mehr als 40 Boards für den Verleih bereit und veranstaltet regelmäßig eigene Formate wie Paddelfit oder die Mitsommernacht.
Geführte Touren stehen nicht im regulären Programm. Vor Ort bekommen Sie aber Tourenvorschläge, die Sie dann selbstständig paddeln. Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich, weil die Termine kurzfristig wechseln. Mehr unter supcenter.berlin.
Ausrüstung für Berliner Gewässer
Worauf Sie in Berlin achten sollten
Die Sperrzeiten auf der Spree kennen. Zwischen Lessingbrücke und Schleuse Mühlendamm ist von April bis Oktober tagsüber von 10 bis 19 Uhr Schluss für Sportgeräte, und bis zum Kanzleramtssteg ist ohnehin Endstation. Die Regelung steht in der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung und wird kontrolliert.
Berufsschifffahrt hat immer Vorfahrt. Auf Havel, Spree und den Kanälen sind Fahrgastschiffe unterwegs, die weder schnell ausweichen noch bremsen können. Am Ufer bleiben, Fahrrinnen zügig und im rechten Winkel queren.
Badestellen als Einstieg nutzen. Sie sind kostenlos, flach und meist über den ÖPNV erreichbar. Private Stege und Yachthäfen sind es nicht, auch wenn sie näher liegen.
Früh starten. Vor neun Uhr ist auf allen Berliner Gewässern kaum Wind und wenig Betrieb. Am Tegeler See und auf dem Wannsee ist das der Unterschied zwischen einer ruhigen Runde und einer Zitterpartie zwischen Motorbooten.
Häufige Fragen zu SUP in Berlin
Braucht man in Berlin eine Genehmigung fürs Stand Up Paddling?
Nein, eine allgemeine Genehmigung gibt es nicht. Auf einzelnen Abschnitten gelten aber Fahrverbote und Zeitfenster, allen voran auf der Spree im Regierungsviertel.Darf man am Regierungsviertel vorbeipaddeln?
Nur bis zum Kanzleramtssteg und außerhalb der Sperrzeit von 10 bis 19 Uhr zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober. Wer die Runde fahren will, startet früh morgens.Welches Gewässer eignet sich für den ersten Versuch?
Der Schlachtensee. Kein Berufsverkehr, überschaubare Größe, mehrere flache Einstiege und eine Station direkt am Ufer.Wann ist die beste Zeit für eine Tour?
Zwischen Mai und September, und innerhalb des Tages möglichst früh. Am Vormittag ist der Wind schwächer und der Bootsverkehr geringer.Muss ich eine Schwimmweste tragen?
Vorgeschrieben ist sie für Sportgeräte nicht, sinnvoll auf offenen Flächen wie dem Wannsee oder dem Tegeler See aber allemal. Eine Leash ist ohnehin Pflichtausrüstung.Kann man ein Board vor Ort leihen?
Ja, alle fünf genannten Stationen verleihen Boards, teilweise mit Vorabbuchung im Netz. Bei WhatSUP Berlin geht das nur gegen Hinterlegung eines Ausweises und ab 18 Jahren.Lohnt sich ein eigenes Board für Berlin?
Ab etwa der fünften Ausfahrt pro Saison ja. Wer mit dem ÖPNV zum Wasser fährt, sollte allerdings auf einen Rucksack mit Tragesystem und ein Boardgewicht unter zehn Kilogramm achten.Fazit zum SUP in Berlin
Stand Up Paddling in Berlin
Kaum eine deutsche Stadt bietet auf so kleinem Raum so viele Möglichkeiten: ruhige Seen für den Einstieg, lange Kanalstrecken für Tagestouren und mit der Spree eine Runde, die an den wichtigsten Regierungsgebäuden vorbeiführt.
Wer die Sperrzeiten und die Berufsschifffahrt im Blick behält, hat von Mai bis September ein Revier vor der Haustür. Weitere Reviere finden Sie unter SUP Leipzig, SUP München und SUP Düsseldorf.




